Schlagwort: Rettungsdienst

  • HdazB 2 – Die dicke Frau stinkt zum Himmel

    HdazB 2 – Die dicke Frau stinkt zum Himmel

    An diesem Tag sollte ich wohl lernen wie man mit besonderen Situationen umgehen soll.

    Es war an einem frühen Frühlingsmorgen, als wir zu starken Rückenschmerzen gerufen worden sind. Dieser Einsatz war einer meiner Ersten in meiner Karriere, denn ich war noch auf der Schule zum Rettungsassistenten und musste ein 4-wöchiges Praktikum machen. Das hieß, dass wir zu dritt ein Auto besetzt haben. Die Fahrt war nicht lang, ich packte mir alle nötigen Utensilien ein und wir gingen zur Eingangstür eines Mehrfamilienhauses, oder eher eines Wohnblocks. Hier muss ich euch leider erstmal warnen, wer nicht so einen festen Magen hat und keine Lust darauf was Ekeliges zu lesen, der sollte hier aufhören. Das ist echt mein Ernst!!!

    Wir klingelten und uns wurde auch gleich aufgemacht. Da zog mir schon im Treppenhaus ein stechender Geruch in die Nase, ich wusste nicht wo es her kam, aber mit zunehmender Verminderung der Distanz zur Wohnungstür, wurde der Geruch immer beißender. Es roch als ob hier seit Monaten irgendwo eine Leiche versteckt lag. Ein Mann stand total abgemagert, in einem viel zu großem Muskelshirt, was er bestimmt schon Wochen anhatte, vor uns. Das Shirt stank bestimmt ziemlich, aber der beißende andere Geruch übertünchte alles. Das Atmen fiel mir immer schwerer und ich musste mich darauf konzentrieren, dem Mann nicht gleich vor die Füße zu kotzen. An der Wohnungstür angekommen, schaute man in einen kleinen Flur, links ging es in die Küche, die nächste Tür links ins Schlafzimmer und den kleinen Flur weiter stand eine große Couch, mir direkter Blickrichtung auf die neuesten und besten Unterhaltungsgeräte. Man konnte sich gar nicht verlaufen, denn in den Teppich war schon ein deutlich schwarzer Trampelpfad zu erkennen. Links und rechts des Trampelpfades konnte ich den grauen Teppich noch erkennen, falls er nicht einmal eine andere Farbe hatte.

    Der Patient war nicht der Mann, nein es war seine Frau, die im Schlafzimmer lag, denn zu etwas Anderem, außer Herumliegen, war sie nicht in der Lage. Die Frau war ca. 250 Kg schwer und lag in einem 160cm breiten Bett, aufstehen konnte sie seit ein paar Wochen nicht mehr. Ich wollte gar nicht wissen wie sie ihr Geschäft verrichtet, aber meine lieben Kollegen gehen dahin wo der Schmerz tief sitzt und fragten leider Gottes nach.
    Sie berichtete mit Freude, dass sie einfach ins Bett pinkelt und für das größere Geschäft nach vorne robbt und in einen Eimer macht. Wo der bestialische Geruch herkommt, war uns spätestens jetzt bewusst geworden. Ich hielt es nicht mehr aus und war kurz davor den Teppich mit meinem Erbrochenen zu verschönern.
    Ich riss alle Fenster im Raum auf und der Mann der Dame brüllte mich an: „wie können sie denn das Fenster aufmachen, der ganze Dreck kommt ja rein, ich mache das nicht sauber!“, und ich erst recht nicht, dachte ich mir. Hier würde es nur helfen, den Feuerteufel in einem zu erwecken, um das sauber zu bekommen.

    230 KgNach ein bisschen Fragerei über den Zustand der Schmerzen etc., kamen wir zu zwei Entschlüssen: Zum einen brauchten wir einen Arzt, damit dieser etwas gegen die Schmerzen machen kann, zum Anderen ein Fahrzeug, was dieses Gewicht auch auf eine Trage bekommt. Laut dem Aufkleber auf der Trage hätte das bei uns vielleicht gepasst, aber die Frau würde dann wahrscheinlich unsere schmale Trage mit dem Fett, was links und rechts übertreten würde, verschlingen.
    Es musste ein Specklaster, also ein Rettungswagen für sehr stark Übergewichtige, angefordert werden, dieser brauchte leider 2 Stunden bis er da war. Für uns war die Sache beendet und wir konnten raus an die wunderschöne Frühlingsluft. Der Geruch hing einem allerdings noch Tage danach in der Nase.

    Ca. 2 Stunden später an diesem Tag wurden wir erneut zur Frau gerufen, damit wir als Unterstützung Tragen helfen. Jetzt waren wir zu siebt, aber das hätte nicht gereicht, wir haben die Feuerwehr nachalarmiert und nun konnten wir sie mit vereinten Kräften raus hieven.

    Ein paar Tage später berichteten Kollegen, dass sie in kein normales CT gepasst hatte uns sie in eine Großtierklinik gefahren werden musste.

    Wer seine Retter liebt, der siebt…also sein Essen, damit es verträgliche Mengen hat. Ach was solls: Fresst euch nicht so fett, ich will keinen kaputten Rücken haben!!! 😉

  • Hörst du auf zu bluten! – die Einführung

    Hörst du auf zu bluten! – die Einführung

    In meinen gut 3 Jahren im Rettungsdienst habe ich schon so Einiges gesehen, was zum Teil sehr komisch, verrückt aber auch ekelig war. Manche Menschen sind besonders oder leben unter, sagen wir mal, äußerst individuellen Umständen.

    Ich werden jede Woche ein Geschichte veröffentlichen und hoffe, dass ihr Spaß beim Lesen habt und einen kleinen Einblick in den Rettungsdienstes bekommt. Viele Menschen wissen gar nicht, was man im Rettungsdienst macht, oder auch nicht macht. Der Irrglaube, dass man immer und überall Jedem eine Spritze geben kann, für alle die Probleme, die jeder mit sich herum trägt, bis dahin, dass wir nur mit Blaulicht fahren, weil wir eben mal Lust dazu haben oder ganz hungrig sind und schnell essen wollen, soll mit meinen Erzählungen auch zu den Akten gelegt werden können.

    Natürlich habe ich alles komplett verfremdet, so dass kein Bezug zu Betroffenen besteht, außer natürlich, man war dabei. 😉

    Ein paar Infos zu mir:

    Sicherheit ist alles

    Ich bin Rettungsassistentin, das ist im Rettungsdienst zurzeit das höchste an Ausbildung, was es gibt, als nächstes käme der Notarzt. Ein Rettungsassistent (RA) ist also der Assistent vom Notarzt (NA) und nicht vom Rettungssanitäter (RS), denn der ist dem RA untergestellt. Darunter gibt es noch den Rettungshelfer (RH), diese Ausbildung haben meist FSJ’ler (Freiwilliges Soziales Jahr).

    Ich bin als Frau in einer besonderen Stellung, denn so viele gibt es von uns nicht, die männlichen Wesen sind sehr stark vertreten. Oft werden wir nur schräg angeschaut, oder man hört flüsternd, aus irgendeiner Ecke, „ohoh, das ist ja eine Frau“.
    Ich finde es immer sehr amüsant, wie manche Patienten, oder Angehörige an der Einsatzstelle auf einen reagieren. Einmal sind wir zu einem Einsatz gerufen worden, mit Verdacht auf einen Wirbelbruch, es war also klar, dass ich etwas schwerer tragen musste. Als Begrüßung bekam ich mit einem gewissen Nachdruck die Aussage um die Ohren: „Hans-Peter… da ist ne Frau dabei, die schafft das doch gar nicht.“ Natürlich haben wir alles gepackt. Das Lustige dabei ist immer, dass die leichtesten Personen danach fragen, ob man denn zu schwer sei. Von den schweren Personen, 120 Kilo plus, kommt da gar nichts. Am besten ist es dann immer, wenn zwei von uns Weibern einen Rettungswagen (RTW) besetzten, aber das könnt ihr euch ja sicher alles selber denken.

    Schließt doch bitte mal eure Augen und stellt euch den Rettungsdienst vor. Das was ihr vor eurem inneren Auge seht, würde mich als Kommentar sehr interessieren!

    Sicherheit ist alles